Zöliakie
bei Frauen

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Zöliakie tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern - das Diagnoseverhältnis liegt bei etwa 2 bis 2,5 zu 1.1

Im Vergleich zu Männern berichteten Frauen mit Zöliakie über eine schlechtere Lebensqualität im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit die sich äußert in:2

  • Fortbestehenden Darmbeschwerden trotz glutenfreier Ernährung
  • Depressionen und Angstzuständen, oft verbunden mit dem Gefühl, anders zu sein
  • Eine passiv-adaptive Akzeptanz der Krankheit

Zusätzlich zu den typischen Symptomen einer Zöliakie kann es bei den betroffenen Frauen auch zu einer Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit aufgrund der Zöliakie kommen, zum Beispiel zum verzögerten Eintreten der Pubertät, zu Unfruchtbarkeit und zu einer frühen Menopause.3 Zudem besteht bei Frauen mit Zöliakie aufgrund von Malabsorption und indirekten hormonellen Einflüssen ein erhöhtes Osteoporose-Risiko.2,6

Eine nicht diagnostizierte Zöliakie kann eine zugrunde liegende Ursache für ungeklärte Subfertilität und wiederholte Fehlgeburten sein.Die deutschsprachige S2k-Leitlinie empfiehlt, bei Frauen mit ungeklärter Subfertilität oder wiederholten Fehlgeburten eine serologische Untersuchung auf Zöliakie in Betracht zu ziehen, auch wenn keine gastrointestinalen Symptome vorliegen.7

Zöliakie und Beeinträchtigung des weiblichen Fortpflanzungssystems

In einer Fallkontrollstudie mit 288 Frauen mit Zöliakie und 586 Kontrollpersonen wurde bei den Frauen mit Zöliakie im Laufe ihres Lebens eine häufigere Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit festgestellt als bei den Kontrollpersonen.3

Parameter Frauen mit Zöliakie Frauen ohne Zöliakie Statistisches Ergebnis
Auswirkungen auf die Menarche und die Menstruation
Durchschnittsalter bei der Menarche3 14,6 ± 2,0 Jahre 13,6 ± 1,5 Jahre p = 0,001
Verzögerte Menarche3 30,8 %
(n = 86/279)
11,4 %
(n = 65/569)
OR: 3,4 (95 %-KI: 2,4–4,9); p = 0,001
Allgemeine Menstruationsstörungen3 39,7 %
(n = 123/279)
25,8 %
(n = 147/569)
OR: 2,2 (95 %-KI: 1.6–3.0); p = 0,001
Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Empfängnis
Ungewollte Verzögerung der Empfängnis um mehr als 1 Jahr3 33,8 %
(n = 46/136)
11,8 %
(n = 41/346)
OR: 3,8 (95 %-KI: 2,3–6,1); p = 0,01
Unfruchtbarkeitsrate3 10,5 %
(n = 16/152)
5,2 %
(n = 19/365)
OR: 2,1 (95 %-KI: 1,0–4,2); p = 0,028
Auswirkungen auf Schwangerschaft und Geburt
Schwangerschaft mit ungünstigem Verlauf3* 46,1 %
(n = 172/373)
22,2 %
(n = 206/927)
OR: 3,0 (95 %-KI: 2,3–3,8); p = 0,001
Frühgeburt, lebend3 16,3 %
(n = 45/276)
3,7 %
(n = 30/795)
OR: 4,9 (95 %-KI: 3,0–8,0); p = 0,001
Abort3 23,5 %
(n = 89/378)
12,8 %
(n = 120/935)
OR: 2,0 (95 %-KI: 1,5–2,8); p = 0,0001


*Unerwünschter Ausgang: Abort, Stillgeburt, Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht

Die Pathogenese der Funktionsstörung des Fortpflanzungssystems bei weiblichen Patienten mit Zöliakie ist nicht vollständig geklärt. Vermutete Gründe für eine Funktionsstörung des Fortpflanzungssystems bei Frauen mit Zöliakie, die sich nicht glutenfrei ernähren:3

  • Mangelernährung
  • Mangel an Mikronährstoffen
  • Hormonelles Ungleichgewicht
  • Ovarielle Faktoren

Die Bedeutung der glutenfreien Ernährung

Eine glutenfreie Ernährung kann die Funktionsstörung des Fortpflanzungssystems bei weiblichen Patienten mit Zöliakie nachweislich vollständig oder teilweise wiederherstellen.3

Im Vergleich zu einer glutenhaltigen Ernährung hat eine glutenfreie Ernährung bei Frauen mit Zöliakie erwiesenermaßen folgende Vorteile:2,5

Verlängerung der reproduktiven Phase

Reduzierung der Inzidenz von Spontanaborten

Regulierung des Menarchealters

Korrektur von Unfruchtbarkeitsmarkern

Verbesserung der Knochenmassedichte

  1. Galli G, Amici G et al. Sex-gender differences in adult coeliac disease at diagnosis and gluten-free-diet follow-up. Nutrients 2022;14:3192
  2. Manza F, Lungaro L et al. Gluten and wheat in women's health: beyond the gut. Nutrients 2024;16
  3. Prasad S, Singh P et al. Reproductive functions and pregnancy outcome in female patients with celiac disease. J Gastroenterol Hepatol 2024;39:1310-1317
  4. Bold J, Rostami K. Non-coeliac gluten sensitivity and reproductive disorders. Gastroenterol Hepatol Bed Bench 2015;8:294-297
  5. Freeman H J. Reproductive changes associated with celiac disease. World J Gastroenterol 2010;16:5810-5814
  6. Lungaro L, Manza F et al. Osteoporosis and celiac disease: updates and hidden pitfalls. Nutrients 2023;15:1089
  7. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). NICE guideline 20. Coeliac disease: recognition, assessment and management, September 2015. Auft: https://www.nice.org.uk/guidance/ng20/resources/coeliac-disease-recognition-assessment-and-management-pdf-1837325178565. Stand: Januar 2025.

 

© NICE 2015 Celiac disease: recognition, assessment and management. Auf: www.nice.org.uk/guidance/ng20. Alle Rechte vorbehalten. Vorbehaltlich der Rechtshinweise.

 

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