ESsCD-Leitlinien 2025: Aktualisierungen zur Diagnose der Zöliakie bei Erwachsenen

November 2025

Die European Society for the Study of Coeliac Disease (ESsCD) hat im September 2025 ihre Leitlinien zur Diagnostik der Zöliakie (CeD) bei Erwachsenen aktualisiert.
Ziel der Änderungen ist es, die diagnostische Genauigkeit zu erhöhen, invasive Eingriffe zu vermeiden und die Patientenorientierung weiter zu stärken

Wichtige Neuerungen für die klinische Praxis

1. Optimierte Serologiestrategie

  • IgA-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase-(tTG) mittels ELISA-Test bleiben die Tests der ersten Wahl, und das Gesamt-IgA muss parallel bestimmt werden.
  • Bei IgA-Mangel wird die Verwendung von IgG-basierten Tests (anti-tTG, anti-deamidierte Gliadinpeptide (dGP)) empfohlen.
  • Routinemäßige Bestimmung von Anti-Endomysium-Antikörpern (EMA) wird nicht mehr empfohlen und ist auf unklare Fälle beschränkt (z. B. bei anderen Autoimmun- oder Lebererkrankungen vor einer Duodenalbiopsie).
  • Stuhl- und Speicheltests werden aufgrund unzureichender Leistungsfähigkeit nicht empfohlen.
  • Schnelltests (Point-of-Care): positive Ergebnisse müssen durch formale Serologie und/oder Biopsie bestätigt werden.

2. Bedingter Verzicht auf eine Biopsie

  • Erwachsene unter 45 Jahren mit einem IgA-anti-tTG-Titer mehr als 10 x oberer Normgrenze (ULN), bestätigt in einer zweiten Probe, können ohne Duodenalbiopsie diagnostiziert werden.
  • Dieser Ansatz wird nicht empfohlen, wenn Warnsymptome (z. B. Blutungen, Dysphagie, Obstruktion) vorliegen.
  • Eine gemeinsame Entscheidungsfindung und fachärztliche Überwachung sind erforderlich.

3. Standardisiertes Biopsieprotokoll

  • Es sollen mindestens 4 Biopsien aus dem zweiten Duodenalabschnitt und 2 aus der Duodenalbulbusregion entnommen werden.
  • Die modifizierte Marsh-Klassifikation bleibt der Referenzstandard.
  • Marsh-I-Befunde bei negativer Serologie sprechen gegen Zöliakie – andere Ursachen müssen abgeklärt werden.

4. Leitfaden für komplexe Fälle

  • Potenzielle Zöliakie: positive Serologie, normale Histologie → als „potenziell“ einstufen, wenn HLA-DQ2/DQ8 positiv.
  • Seronegative Zottenatrophie: nach Ausschluss anderer Ursachen kann bei HLA-DQ2/8-positiven Personen die Diagnose durch Ansprechen auf glutenfreie Diät (GFD) unterstützt werden.
  • Bereits glutenfreie Diät: eine Glutenprovokation wird empfohlen (≥ 3 g/Tag über 6 Wochen, Biopsie als Endpunkt).

5. HLA-Typisierung

  • Nicht routinemäßig, aber hilfreich bei unklaren Fällen (z. B. Glutenprovokation, seronegative Zottenatrophie, potenzielle Zöliakie oder vorbestehende GFD).
  • Negative HLA-Ergebnisse schließen Zöliakie aus.

6. Weitere Hinweise

  • Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS): in Betracht ziehen, wenn wiederkehrende glutenabhängige Symptome bestehen, aber Zöliakie-Serologie und Weizenallergietests negativ sind.

Klinische Bedeutung der aktualisierten ESsCD-Leitlinien 2025

  • Vereinfachung der diagnostischen Abläufe bei gleichbleibend hoher diagnostischer Präzision.
  • Anpassung der Erwachsenenpraxis an pädiatrische biopsiefreie Diagnostikpfade, jedoch mit entsprechenden Schutzmaßnahmen.
  • Förderung der präzisen Nutzung von Serologie und Histologie, um Fehldiagnosen zu reduzieren.
  • Betonung der gemeinsamen Entscheidungsfindung mit Patienten bei invasiven Verfahren und Glutenprovokation.

Fazit:

Die aktualisierten ESsCD-Leitlinien 2025 betonen validierte Serologie, strengere Biopsiestandards, den gezielten Einsatz genetischer Tests und einen bedingten biopsiefreien Ansatz – alles mit dem Ziel, die diagnostische Sicherheit zu erhöhen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Mehr erfahren: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40999951/

Anti- tTG: Anti-Gewebstransglutaminase

Anti-dGP: Anti-deamidierte Gliadinpeptide

Anti-EMA: Anti-Endomysium-Antikörper