Veröffentlicht im: Oktober 2025
Beim 17. Dresdner Symposium über Autoantikörper veranstaltete Thermo Fisher Scientific eine Sitzung, die führende Experten auf dem Gebiet der Autoimmunität zusammenbrachte. In der Sitzung wurde eines der drängendsten Probleme der Autoimmundiagnostik von heute erörtert: Wie sich die Risiken des übermäßigen Testens mit den Vorteilen früherer und gezielter Tests in Einklang bringen lassen.
Bei den Vorträgen und Debatten einigten sich die Redner auf ein einfaches Prinzip: Den richtigen Test für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen – und die Ergebnisse so zu berichten, dass klare und umsetzbare Informationen bereitgestellt werden, um die Ärzte bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.
Kosten einer verspäteten Diagnosestellung
Prof. Marvin Fritzler (University of Calgary, Kanada) wies auf den weltweiten Anstieg von Autoimmunerkrankungen und die Folgen einer verspäteten Diagnosestellung hin. Zum Zeitpunkt der Lupusdiagnose weisen bereits ein Drittel der Patienten eine Nierenbeteiligung auf. Er betonte die Notwendigkeit einer harmonisierten Berichterstattung, validierter Verfahren und eines intelligenteren Einsatzes von künstlicher Intelligenz und kombinierten Diagnosemethoden.
Sehen Sie sich die Präsentation an, in der erklärt wird, warum eine verspätete Diagnosestellung nicht nur kostspielig, sondern auch schädlich ist.
Zöliakie als Fall für frühzeitige Tests
Prof. M. Luisa Mearin (Leiden University Medical Center, Niederlande) zeigte, wie gezielte Frühtests auf Zöliakie bei Kindern sowohl kosteneffektiv als auch lebensverändernd sein können. Eine glutenfreie Ernährung verhindert nicht nur Darmschäden, sondern verbessert auch die Lebensqualität. Sie stellte ein Projekt aus den Niederlanden vor, das eine Prävalenz nicht diagnostizierter Zöliakien von fast 2 % bei Kleinkindern aufzeigte – ein eindeutiger Fall, der für ein proaktives Screening spricht.
Sehen Sie sich die Präsentation darüber an, wie das Zöliakie-Screening bei Kindern die öffentliche Gesundheit verändert.
Die Risiken des übermäßigen Testens
Dr. Jan Damoiseaux (Maastricht University Medical Center, Niederlande) wies darauf hin, dass Bevölkerungsscreenings bei den meisten Autoimmunerkrankungen mehr Verwirrung als Klarheit stiften. Bei einer geringen Vortestwahrscheinlichkeit führen falsch positive Ergebnisse zu unnötigen Folgeerscheinungen, Angst und Ressourcenverschwendung. Er argumentierte, dass sich die Tests auf Patienten mit entsprechenden Symptomen oder genetischem Risiko konzentrieren sollten und dass Ergebnisse nur dann gemeldet werden sollten, wenn sie handlungsrelevant sind.
Sehen Sie sich die Präsentation darüber an, warum das Risiko besteht, dass ein breites Screening mehr schadet als nützt.
Debatte und Diskussion
Die Podiumsdiskussion und dasPublikum machte die Spannung zwischen Wissenschaft und Praxis deutlich:
- Falsch-positive Ergebnisse können Schaden anrichten: Übermäßiges Testen birgt das Risiko, die eigentliche Diagnose zu verzögern und die Behandlung in die falsche Richtung zu lenken.
- Die Nachfrage bei den Patienten steigt: Viele Testanfragen kommen heutzutage von Patienten, die durch Online-Informationen beeinflusst wurden.
- Ethische Aspekte und Praktikabilität sind wichtig: Screening-Initiativen in einigen Ländern zeigen, wie sich die Politik schneller entwickeln kann als die Praxis, wodurch neue Herausforderungen für Kliniker und Labore entstehen.
Die Diskussion verdeutlichte sowohl Chancen als auch Risiken: Eine Früherkennung kann irreversible Schäden verhindern, aber grundloses Testen birgt die Gefahr, Patienten, Ärzte und Gesundheitssysteme zu überfordern.
Kernaussage
Die Zunahme von Autoimmunerkrankungen erfordert intelligentere – nicht einfach nur mehr – Tests. Labore und Kliniker sollten zusammenarbeiten, um:
- Anfragen im klinischen Kontext und der Vortestwahrscheinlichkeit zu verankern.
- Gestaffelte Algorithmen und reflexartige Tests anstelle von breiten, ungerichteten Testpanels einzusetzen.
- Berichte mit klinisch aussagekräftigen Interpretationen zu standardisieren.
- Validierte Ansätze zu entwickeln, die klinischen Kontext, Labordaten und KI-Unterstützung in reale klinische Behandlungspfade integrieren.
Wie das Symposium zeigte, geht es bei der Zukunft der Autoantikörpertests darum, intelligenter zu testen – die richtigen Tests für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen und die Ergebnisse so zu berichten, dass sie klare klinische Entscheidungen ermöglichen.
Mehr erfahren
Um mehr darüber zu erfahren, wie diese Prinzipien in der Praxis Anwendung finden, informieren Sie sich über unsere EliA™-Testalgorithmen, die für eine intelligentere Autoimmundiagnostik entwickelt wurden.