Veröffentlicht: Januar 2026
Fachliche Beratung:
Gary Falcetano, PA-C, AE-C
Nahrungsmittelallergien treten zunehmend häufiger auf und betreffen weltweit bis zu 250 Millionen Menschen.1 Dennoch werden sie in der Primärversorgung weiterhin unterschätzt und zu selten erkannt. Dadurch steigt für Patienten das Risiko für Fehldiagnosen, für die unnötige Vermeidung von Nahrungsmitteln oder in schweren Fällen für eine Anaphylaxie.
Die Hausarztpraxis ist häufig die erste Anlaufstelle für Patienten mit Symptomen, die auf eine mögliche Nahrungsmittelallergie hindeuten.2 Daher ist es entscheidend, dass Hausärzte bei entsprechendem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie einen strukturierten, leitlinienbasierten Ansatz verfolgen.
So wählen Sie den richtigen Test aus
Eine präzise Diagnose einer Nahrungsmittelallergie beginnt mit der Anamnese des Patienten. Diese sollte Folgendes umfassen:3
- Unerklärliche Reaktionen oder unerwünschte Ereignisse nach Exposition
- Anamnese von nahrungsmittelassoziierten Beschwerden, Ängsten oder der Vermeidung von Nahrungsmitteln
- Selbst auferlegte Nahrungseinschränkungen oder Inanspruchnahme von Online-Beratung
- Wiederkehrende Magen-Darm-, Haut- oder Atemwegssymptome
Dies kann dabei helfen, die Patienten zu identifizieren, die von weiterführenden Tests profitieren könnten.
Die Wahl des Tests ist entscheidend5
Die Auswahl des richtigen Tests ist besonders wichtig, da zwar 35 % der Patienten angeben, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, die Allergie jedoch nur in 3,5 % der Fälle klinisch nachgewiesen wird. Übermäßiges Testen ohne klinischen Kontext kann eher zu Verwirrung als zu Klarheit führen 5
Spezifische IgE-Blutteste
ImmunoCAP™ Allergenextrakt-Tests sind in der Primärversorgung generell geeignet, entweder ergänzend zu oder anstelle von Haut-Pricktests.
Komponenten-basierte Diagnostik (CRD)
Bietet eine präzise, zielgerichtete Einschätzung der Allergensensibilisierung und unterstützt Ärzte dabei, fundierte und personalisierte Entscheidungen zu treffen. In Übereinstimmung mit den EAACI-/AAAAI-Leitlinien* unterstützt die Komponenten-basierte Diagnostik (CRD) eine evidenzbasierte Versorgung dort, wo weitergehende Erkenntnisse erforderlich sind.
Breit angelegte Screening-Tests vermeiden
Die Anordnung umfangreicher, nicht selektiver Panels ohne klare klinische Fragestellung wird gemäß aktueller EAACI-Leitlinie* nicht empfohlen. Nicht selektive Tests mit einer großen Anzahl von Allergenen erhöhen das Risiko klinisch irrelevanter falsch-positiver Ergebnisse.4
Grundprinzipien der Testinterpretation
Bei der Interpretation von Testergebnissen zu Nahrungsmittelallergenen sollten stets die Anamnese und die Symptome der Patienten berücksichtigt werden. Die folgenden Prinzipien dienen als praktische Orientierung zur Unterstützung fundierter Entscheidungen und sind nicht als starre Regeln zu verstehen. Tests sind nur ein Teil des diagnostischen Prozesses und sollten dazu dienen, die Patientenversorgung zu vereinfachen, nicht zu verkomplizieren.
Positive Ergebnisse sollten stets im Zusammenhang mit den Symptomen des Patienten interpretiert werden, um eine klinisch relevante Allergie zu bestätigen.
Nachweisbares IgE deutet auf eine Sensibilisierung hin, doch eine Sensibilisierung allein reicht für die Diagnose nicht aus. Der Abgleich mit der Anamnese des Patienten ist unerlässlich, um eine echte klinische Allergie von einer asymptomatischen Sensibilisierung oder Kreuzreaktivität zu unterscheiden.
Die Komponenten-basierte Diagnostik kann die Spezifität verbessern.
Die CRD hilft zu klären, ob eine Sensibilisierung primär ist oder auf Kreuzreaktivität beruht, und kann Hinweise auf die mögliche Schwere von Reaktionen geben. Gemäß der EAACI-Leitlinie ist die Bestimmung von spezifischem IgE insbesondere für Hochrisikoallergene wie Erdnuss (Ara h 2), Haselnuss (Cor a 14) und Cashewnuss (Ana o 3) gut etabliert; auch andere Allergenkomponenten können jedoch wertvolle diagnostische Hinweise liefern.6
Quantitative Werte sind entscheidend.
Quantitative IgE-Werte liefern wertvolle Informationen über das Ausmaß der Sensibilisierung. Allerdings variieren die Schwellenwerte für klinische Reaktivität je nach Allergen und individueller Person und sollten stets im Kontext interpretiert werden. Je höher der Spiegel spezifischer IgE-Antikörper ist, desto höher ist das Risiko für eine symptomatische Allergie.7
Negative Ergebnisse schließen eine Allergie nicht vollständig aus.
Ein negativer spezifischer IgE-Test verringert die Wahrscheinlichkeit einer Allergie, schließt diese jedoch nicht aus. Dies kann der Fall sein, wenn das Allergen nicht im Testpanel enthalten ist, die Reaktion nicht IgE-vermittelt ist oder das verwendete Testsystem eine unzureichende Sensitivität aufweist. Die ImmunoCAP Allergenextrakt-Tests sind hochsensitiv und bieten eine zuverlässige Grundlage für die weitere Abklärung.
Eine umfassende Interpretation spezifischer IgE-Werte ist entscheidend.
In einer beispielhaften Fallstudie begleiten wir Tim, einen kleinen Jungen, bei dem zunächst eine Erdnussallergie diagnostiziert wurde, die sein Leben erheblich beeinträchtigt hat. Eine weiterführende, fundiertere Diagnostik ergab eine Sensibilisierung gegenüber Erdnussallergenextrakt von 2,6 kUA/l und eine Sensibilisierung gegenüber der Allergenkomponente Ara h 8 von 2,79 kUA/l.
Tims Sensibilisierung gegenüber Ara h 8 ist typischerweise mit keinen oder nur lokal begrenzten Reaktionen verbunden, wie Juckreiz oder Kribbeln im Mund- und Lippenbereich, bei gleichzeitig geringem Risiko für systemische Reaktionen. Tatsächlich könnte bei Tim eine Sensibilisierung gegenüber Birkenpollen vorliegen, die kreuzreaktiv ist und ähnlich wie Ara h 8 reagiert. Er zeigt keine nachweisbare Sensibilisierung gegen vier Speicherproteine der Erdnuss, die mit schweren Reaktionen assoziiert sind.8,9,10
Asymptomatische Sensibilisierung
Wenn spezifische IgE-Antikörper nachweisbar sind, der Patient jedoch bei Exposition gegenüber dem Allergen im Alltag keine Symptome zeigt, spricht man von einer asymptomatischen Sensibilisierung oder einer klinisch irrelevanten Positivität.
Warum es zu asymptomatischer Sensibilisierung kommt:
- Geringe Sensibilisierung: Moderne Testverfahren können sehr geringe Mengen an IgE nachweisen. Diese Werte sind zwar messbar, reichen in manchen Fällen jedoch nicht aus, um klinische Symptome auszulösen. Dies ist besonders häufig bei Kindern mit atopischer Dermatitis, die niedrige Sensibilisierungen gegenüber Nahrungsmitteln ohne entsprechende Symptome aufweisen können.
- Kreuzreaktivität: IgE-Antikörper können Proteine erkennen, die sich über verschiedene, eigentlich nicht verwandte Allergenquellen hinweg ähnlich sind. Beispielsweise kann eine Person, die auf Birkenpollen allergisch reagiert, positiv auf Äpfel getestet werden, auch wenn sie Äpfel ohne jegliche Reaktion verträgt.
- Unspezifische Bindungen oder technische Artefakte: In seltenen Fällen können Laborfaktoren Signale hervorrufen, obwohl keine echte Sensibilisierung vorliegt.
Kurz gesagt, ein positives Testergebnis ohne klinische Symptome bestätigt keine Allergie. Es ist wichtig, die Ergebnisse stets im Kontext der Anamnese des Patienten zu interpretieren.
Sensitivität zählt
Ein negatives Ergebnis macht eine Nahrungsmittelallergie unwahrscheinlicher, insbesondere wenn zum Nachweis ein hochsensitiver Test wie der ImmunoCAP™ spezifischen IgE-Test verwendet wurde, der selbst geringe IgE-Konzentrationen nachweisen kann.
Wenn die Symptome trotz eines negativen Testergebnisses anhalten, wurde das auslösende Allergen möglicherweise übersehen. Eine erneute Bewertung der Anamnese und möglicher Expositionen kann helfen, die nächsten Schritte zu bestimmen.
Mögliche Gründe für anhaltende Symptome trotz eines negativen Testergebnisses:
- Das getestete Allergen umfasst möglicherweise nicht den Auslöser
- IgE-Spiegel können vorhanden sein, aber unterhalb der Nachweisgrenze liegen
- Die Reaktion ist möglicherweise nicht IgE-vermittelt
Ein negatives Testergebnis sollte nicht automatisch zum Ausschluss einer Allergie führen, insbesondere wenn die Anamnese stark auf eine entsprechende Reaktion hindeutet. In solchen Fällen können zusätzliche diagnostische Maßnahmen, einschließlich bestätigender Testverfahren oder einer oralen Provokation, erforderlich sein.
Wann eine Überweisung an einen Facharzt sinnvoll ist
In manchen Situationen ist eine fachärztliche Abklärung erforderlich, um die Patientensicherheit und eine angemessene Behandlung zu gewährleisten.
Ziehen Sie eine Überweisung in den folgenden Fällen in Erwägung:2
- Die Testergebnisse sind unklar oder widersprüchlich.
- Es besteht der Verdacht auf eine schwere Nahrungsmittelallergie oder Anaphylaxie.
- Eine Immuntherapie wird als Teil des Behandlungsplans in Betracht gezogen.
- Es liegt eine komplexe Polysensibilisierung vor (mehrere positive Ergebnisse über verschiedene Allergengruppen hinweg).
- Eine zusätzliche diagnostische Bewertung, beispielsweise eine orale Nahrungsprovokation, ist erforderlich.
- Die Symptome klingen unter hausärztlicher Behandlung nicht ab.
Die Zusammenarbeit mit Fachärzten unterstützt eine korrekte Interpretation der Ergebnisse, reduziert das Risiko unnötiger Nahrungsmitteleinschränkungen und ermöglicht eine effektive Betreuung von Patienten mit komplexeren Allergieprofilen.
Klarheit für bessere Behandlungsergebnisse
Die korrekte Interpretation ist genauso wichtig wie die Auswahl des Tests selbst.
Verfolgen Sie einen strukturierten Ansatz:6
- Beginnen Sie mit einer gezielten Anamnese, die die Symptome des Patienten und mögliche Expositionen umfasst.
- Wählen Sie anhand dieser Anamnese den geeigneten Test aus
- Interpretieren Sie die Ergebnisse sorgfältig und unterscheiden Sie zwischen einer echten Allergie und einer asymptomatischen Sensibilisierung oder Kreuzreaktivität.
- Überweisen Sie den Patienten an einen Facharzt, wenn die Ergebnisse komplex oder unklar sind oder wenn weitreichende Entscheidungen gefällt werden müssen.
Halten Sie es einfach. Verwenden Sie die Testergebnisse, um eine tatsächliche Allergie zu bestätigen, unnötige Nahrungsmitteleinschränkungen zu vermeiden und frühzeitig fundierte Entscheidungen zu treffen.
Entdecken Sie weitere Fortbildungsangebote und Informationsmaterialien zur Abklärung von Nahrungsmittelallergien in der Primärversorgung.
*Die EAACI (European Academy of Allergy and Clinical Immunology) und die AAAAI (American Academy of Allergy, Asthma & Immunology) sind führende internationale Organisationen zur Förderung der Forschung, Lehre und klinischen Versorgung in den Bereichen Allergie und Immunologie.