Procalcitonin (PCT) ist ein Biomarker, der in Verbindung mit anderen Laborergebnissen und klinischen Beurteilungen auf das Risiko einer bakteriellen Infektion hinweisen kann. Außerdem spielt PCT bei der Bekämpfung des Coronavirus eine Rolle. Es kann eine sekundäre bakterielle Infektion identifizieren und so den Einsatz von Antibiotika nur bei denjenigen COVID-19-Patienten unterstützen, die sie benötigen.
In jüngsten, sich stetig weiterentwickelnden Studien hat PCT COVID-19-Patienten mit geringem Risiko für bakterielle Koinfektionen und nachteilige Behandlungsergebnisse identifiziert.1-7 Die meisten COVID-19-Patienten können zwar ganz auf Antibiotika verzichten, aber eine Studie in 38 Krankenhäusern in Michigan ergab, dass Antibiotika bei COVID-19-Patienten „nur sicherheitshalber“ verabreicht wurden. In diesen Krankenhäusern wurden 56,6 % der Patienten trotz einer niedrigen Prävalenz bestätigter bakterieller Infektionen (3,5 %) eine frühe empirische antibakterielle Therapie verschrieben.8 Unangemessene Verschreibung von Antibiotika kann schädlich und manchmal tödlich sein sowie zu erhöhter Antibiotikaexposition und -resistenz führen.
Eine Analyse von 1.099 COVID-19-Patientendatensätzen aus medizinischen Zentren in China zeigt, dass PCT in mehr als 96 % der Fälle mit niedrigem Krankheitsschweregrad und fehlendem ungünstigem Ergebnis niedrig (< 0,5 µg/L) war (kombinierter Endpunkt von Aufnahme in die Intensivstation, invasive Beatmung, Tod).2 Die meisten COVID-19-Patienten hatten PCT-Werte von unter 0,25 µg/L oder sogar unter 0,1 µg/L.2-3 Dies korreliert mit den Ergebnissen früherer viraler Epidemien (Influenza H1N1, SARS, MERS), die zeigen, dass PCT bei hospitalisierten Patienten mit reiner Virusinfektion normalerweise niedrig (< 0,1 bis < 0,5 µg/L) ist.9-14
In Fällen mit bakterieller Koinfektion und schwereren Krankheitsverläufen wurde ein höherer PCT-Wert festgestellt (> 0,5 µg/L).1-6 So entspricht nach einer kürzlich erschienenen Metaanalyse von veröffentlichten COVID-19-Patientendaten ein PCT-Wert größer oder gleich > 0,5 µg/L einem fast fünfmal höheren Risiko für eine schwere Infektion (OR, 4,76; 95 % KI, 2,74–8,29) im Vergleich zu Patienten mit niedrigeren PCT-Werten.15 Akutes Lungenversagen (ARDS) und septischer Schock waren die häufigsten Komplikationen von COVID-19; sekundäre Infektionen während des Krankenhausaufenthalts waren ein zusätzlicher Risikofaktor.1-6 Die Mortalität der Patienten war fast immer mit Sepsis/septischem Schock und Atemversagen/ARDS assoziiert.2,3,6,9
Testen Sie PCT als Hilfsmittel zur frühzeitige Risikobewertung von Patienten mit hohem Risiko für eine bakterielle Koinfektion.
Überwachen Sie PCT, um sekundäre Infektionen und das Fortschreiten der Schwere einer bakteriellen Infektion zu erkennen.
*Die Mehrheit der Patienten mit leichter Erkrankung hatte PCT-Werte, die unter 0,25 µg/L oder sogar unter 0,1 µg/L lagen.1-6 Wahrscheinlichkeit von bakterieller Infektion und Empfehlung für den Einsatz von Antibiotika bei Patienten mit Infektionen der unteren Atemwege bei einem PCT-Wert von > 0,25 µg/L.15
Mit den richtigen Biomarkern haben Krankenhäuser die Möglichkeit, ihre Programme für den rationalen Antibiotikaeinsatz zu verbessern und unnötige Antibiotikaexposition zu verringern. Procalcitonin liefert dem Klinikteam objektive Erkenntnisse und erleichtert die Entscheidung, ob eine Antibiotikatherapie verordnet oder abgebrochen werden soll. Ein solcher maßgeschneiderter Behandlungsansatz ist nur möglich, wenn eine angemessene Ausbildung vorhanden ist.
Die IFCC führt PCT auf der Liste der empfohlenen Tests auf, da es eine potenzielle klinische und biologische Bedeutung für die Erkennung bakterieller (Super-)Infektionen hat:17
„Die wesentliche Rolle klinischer Labore bei dieser Pandemie geht über die ätiologische Diagnose von COVID-19 hinaus. Die biochemische Überwachung von COVID-19-Patienten durch In-vitro-Diagnostiktests ist für die Beurteilung des Schweregrads und der Progression von Krankheiten sowie für die Überwachung therapeutischer Interventionen von großer Wichtigkeit. Mehrere gängige In-vitro-Diagnostiktests wurden mit einer ungünstigen COVID-19-Progression in Verbindung gebracht, woraus möglicherweise wichtige prognostische Informationen resultieren.“17
Behandlung von ambulant erworbener Pneumonie während der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) 2019:18
"... Wir befürworten den Einsatz eines niedrigen Procalcitonin-Werts zu einem frühen Zeitpunkt im Verlauf einer bestätigten COVID-19-Erkrankung, um die Zurückhaltung oder das frühzeitige Absetzen von Antibiotika anzuordnen, insbesondere bei Patienten mit einer weniger schweren Erkrankung.“18
Die CDC führt PCT in einer Liste von Entzündungsmarkern auf, die mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelieren.19
„Procalcitonin ist bei der Einlieferung typischerweise normal, kann sich aber bei Personen erhöhen, die auf die Intensivstation aufgenommen werden. Patienten mit kritischer Erkrankung hatten hohe Plasmaspiegel der Entzündungsmarker, was auf eine mögliche Immundysregulation hindeutet."19
PCT als Hilfsmittel zur Risikobewertung bei COVID-19 und influenzabedingten sekundären bakteriellen Infektionen
COVID-19 und Ausschluss bakterieller Koinfektionen
COVID-19 positiv, Ausschluss bakterieller Pneumonie