Fieber ist oft das einzige Symptom einer anhaltenden Infektion bei Säuglingen und Kleinkindern. Daher kann es schwierig sein, Art und Schweregrad der Infektion richtig einzuschätzen. Wissend das sich jede bakterielle Infektion schnell zu einer schweren Infektion wie Pneumonie und sogar Sepsis entwickeln kann, entscheiden sich Kinderärzte häufig dafür, Antibiotika zu verschreiben, obwohl das Risiko eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes und von Antibiotikaresistenz besteht. Der Biomarker Procalcitonin (PCT) gibt den Ärzten in Verbindung mit der Patientenanamese und dem Krankheitsbild des Patienten das, was sie in diesen Fällen am dringendsten benötigen: den Anfangsverdacht auf eine bakterielle Infektion schnell zu überprüfen, um empirische Antibiotika gezielter zu verschreiben und die Antibiotikaexposition zu verringern.
Schätzungen zufolge sind 50 % aller pädiatrischen Antibiotikarezepte unnötig.1
Obwohl die meisten Kinder mit Fieber eine gutartige und vorübergehende Erkrankung haben, besteht bei einem kleinen Prozentsatz das Risiko, eine schwere bakterielle Infektion zu entwickeln, die ein schnelles therapeutisches Eingreifen mit einer Antibiotikatherapie erfordert.
In einer multizentrischen Studie mit 1.112 pädiatrischen Fieberpatienten im Alter von unter drei Monaten, die in europäische Notaufnahmen aufgenommen wurden, war PCT der einzige unabhängige Risikofaktor für invasive bakterielle Infektionen mit einer Odds Ratio von 21,69 für PCT ≥ 0,5 µg/L.2 In der Studie wurde ein mehrstufiger Ansatz verwendet, der anschließend validiert wurde und einen negativen prädiktiven Wert für den Ausschluss einer IBI von 99,3 % ergab. Im Vergleich zu den Rochester-Kriterien und dem Lab-Score bestätigte der mehrstufige Algorithmus, der das PCT einschließt, seine überlegene Präzision bei der Identifizierung von Patienten mit niedrigem IBI-Risiko und könnte sich besser für die ambulante Behandlung eignen.3
Diagnostischer Wert von PCT bei Kindern mit Fieber ohne erkennbare Ursache (FWS)4
PPV = positiver prädiktiver Wert
NPV = negativer prädiktiver Wert
Eine akute bakterielle Meningitis ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Infektion, die eine sofortige Antibiotikabehandlung erfordert.
In einer europäischen multizentrischen Fallstudie (sechs Studienzentren, n = 198) wurde PCT als bester Biomarker nachgewiesen, mit einer Odds Ratio von 139 zur Differenzierung zwischen bakterieller und aseptischer Meningitis bei Kindern.5 PCT wurde daher auch in eine klinische Entscheidungsfindung für Meningitis bei Kindern und in klinische Leitlinien aufgenommen.5-7
Receiver-Operating-Characteristics (ROC)-Kurven der besten Indikatoren zur Unterscheidung bakterieller von aseptischer Meningitis (n = 198).5
Diagnostischer Wert von PCT bei Kindern mit Meningitis.5
PPV = positiver prädiktiver Wert
NPV = negativer prädiktiver Wert
Bakterielle Infektionen sind für neutropenische Patienten lebensbedrohlich. Daher ist eine schnelle Unterscheidung einer bakteriellen Infektion von anderen Fieberursachen bei der Behandlung von entscheidender Bedeutung.8,9 In einer Metaanalyse von 3.585 Fieberepisoden bei neutropenischen Kindern wurde gezeigt, dass PCT anderen Biomarkern (z. B. CRP, IL6) bei der frühzeitigen Prognose bakterieller Infektionen überlegen ist.10
Diagnostischer Wert von PCT bei Kindern mit neutropenischem Fieber.10
PPV = positiver prädiktiver Wert
NPV = negativer prädiktiver Wert
PCT scheint der nützlichste Marker bei der Unterscheidung von Infektionen der unteren Harnwege (Cystitis) von Infektionen der oberen Harnwege (Pyelonephritis) zu sein.11 Erhöhte PCT-Werte können auch vesicoureteralen Reflux und nachfolgende Nierennarbenbildung vorhersagen, was zu einer Verringerung unnötiger Zystourethrographien um 38 % mit DMSA (Technetium-99m [99mTc]-Dimercaptosuccinsäure) bei Kindern führen kann, wodurch die Kosten um etwa 30 % gesenkt werden.12,13
Diagnostischer Wert von PCT bei Kindern mit Harnwegsinfektion (UTI)11 und klinischen Leistungsmerkmalen von PCT zur Prognose von vesikoureteralem Reflux (VUR) und Nierennarbenbildung bei Kindern mit erster febriler Pyelonephritis.13
PPV = positiver prädiktiver Wert
NPV = negativer prädiktiver Wert
Fieber und andere Anzeichen von Entzündungen treten bei 82 % der Patienten auf, die in pädiatrische Intensivstationen (PICUs) aufgenommen werden. Von diesen Patienten leiden 23 % an Sepsis. In der PICU ist es jedoch schwierig, infizierte und nicht infizierte Patienten zuverlässig zu unterscheiden, da klinische und Laboranzeichen ähnlich sein können.8
Receiver-Operating-Characteristics (ROC)-Kurven für die Prognose von Sepsis bei Patienten, die in die PICU aufgenommen wurden; Vergleich der PCT-, CRP- und Leukozytenzahl (n = 94).14
Eine Infektion der oberen und unteren Atemwege (LRTI) ist die häufigste Infektion bei Kindern. Pneumonie ist weltweit die häufigste Ursache für Kindersterblichkeit.15 Eine ätiologische Diagnose wird in der Regel nicht gestellt, und der Erreger kann in den meisten Fällen nicht identifiziert werden. Daher ist in Krankenhausabteilungen, die sehr kleine Kinder behandeln, häufig eine übermäßige Verschreibung von Antibiotika zu beobachten.16
PCT hat sich als nützlicher Indikator für eine sichere und effiziente Antibiotikabehandlung erwiesen, der den individuellen Bedürfnissen sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern gerecht wird.15.17-19 Der Einsatz einer PCT-gestützten Antibiotikatherapie bei Kindern mit Infektionen der Atemwege mit unterschiedlicher Schwere führt aus zwei Gründen zu einer signifikanten Verringerung der Antibiotikaexposition: geringere Verschreibungsrate und früheres Absetzen von Antibiotika.15,18 Dies ging mit einer erheblichen Verringerung der antibiotikabedingten Nebenwirkungen wie Diarrhöe einher.
PCT-gestützte Antibiotikatherapie bei Kindern mit Atemwegsinfektionen führt zu einer deutlichen Verringerung der Antibiotikaexposition und damit verbundenen Nebenwirkungen wie Diarrhöe.
Pädiatrische Patienten (n = 215) mit einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) wurden in zwei Gruppen randomisiert: eine Kontrollgruppe mit regulären Versorgungsstandards und eine weitere Gruppe, in der PCT-gestützte Algorithmen für Antibiotikaverschreibungen verwendet wurden. Antibiotikabehandlungen wurden für beide Gruppen über einen Zeitraum von 22 Tagen überwacht.15
In einer Cochrane-Studie wurden zwei Gruppen randomisierter, kontrollierter Studien untersucht: 14 Studien mit n = 4.221 erwachsenen Patienten und sieben Studien mit n = 2.605 Patienten aus der Notaufnahme. Die Untersuchung ergab, dass Ärzte PCT bei Entscheidungen über die Einleitung und Dauer der Antibiotikatherapie sicher einsetzen können, ohne negativen Einfluss auf die Mortalität oder die Behandlung. 20
In den Studien wurde die Einleitung, Fortsetzung oder Beendigung der Antibiotikabehandlung bei pädiatrischen Patienten auch strikt entsprechend den PCT Cut-Offs aus früheren Studien bei Erwachsenen mit LRTI durchgeführt. In der Kontrollgruppe wurde die Antibiotikabehandlung auf der Grundlage der ärztlichen Beurteilung und klinischer Richtlinien eingeleitet.15