Verringerung der Antibiotikaexposition

Eine Maßnahme für die rationale Verschreibung und Verabreichung von Antibiotika

Es lässt sich nicht leugnen, wie wertvoll der Einsatz von Antibiotika für die Bekämpfung bakterieller Infektionen ist. Diese starken Medikamente sind im Allgemeinen sicher, können aber bei unsachgemäßem Einsatz schädlich und manchmal tödlich sein.

Was versteht man unter unsachgemäßem Einsatz von Antibiotika?

  1. Ein Arzt verschreibt Antibiotika, ohne dass eine bakterielle Infektion vorliegt oder wenn eine alternative Behandlung angemessener wäre.
  2. Ein Patient nimmt seine Antibiotika nicht wie vorgeschrieben ein oder ist selbst nach Abklingen der Infektion einer längeren Behandlung ausgesetzt.

Beide Szenarien können zu einer Reihe von unangenehmen Nebenwirkungen von Antibiotika führen, wie zum Beispiel:1

  • Nieren- oder Lebertoxizität
  • Leichter Hautausschlag bis hin zu allergischem Schock
  • Weicher Stuhl
  • Kurzzeitige bis lebensbedrohliche Diarrhöe durch Clostridioides difficile
  • Magenverstimmung
  • Übelkeit
  • Appetitverlust
  • Hefeinfektionen
Antibiotika sind die Hauptursache für Einlieferungen in die Notaufnahme aufgrund von unerwünschten Arzneimittelschäden bei Kindern und Jugendlichen.1

Unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika kann gefährlich sein

Der unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika – beispielsweise bei Virusinfektionen – kann mehr Schaden als Nutzen anrichten. Tatsächlich verursachen Antibiotika eine von fünf Einlieferungen in die Notaufnahme aufgrund von unerwünschten Arzneimittelschäden und sind bei Kindern unter 18 Jahren die häufigste Ursache von Einlieferungen in die Notaufnahme aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen. Die unnötige Einnahme von Antibiotika erhöht auch das Risiko einer späteren antibiotikaresistenten Infektion. Darüber hinaus zeigen Studien einen Zusammenhang zwischen unsachgemäßem Antibiotikaeinsatz und erhöhter Mortalität.2-7 

Antibiotika können das Wachstum von Clostridioides difficile und anderen schädlichen Bakterien fördern

Antibiotika töten die gesunden Bakterien im Darm und erlauben stattdessen das Wachstum schädlicherer Bakterien wie Clostridioides difficile (C. diff.). Infektionen, die durch C. diff. verursacht werden, können zu schwerer, möglicherweise lebensbedrohlicher Diarrhöe führen. Menschen älter als 65 Jahre sowie Menschen, die längere Zeit im Krankenhaus liegen oder kürzlich mit Antibiotika behandelt wurden, unterliegen einem hohen Risiko für C. diff.. 8

Laut CDC treten die meisten Fälle von C. diff-Infektionen (CDI) während der Einnahme von Antibiotika oder nicht lange nach Beendigung der Antibiotikagabe auf.9 Studien haben gezeigt, dass die Langzeitanwendung von Antibiotika und die kumulative Exposition signifikante Risikofaktoren für CDI sind.10,11 Programme zur Vermeidung von Antibiotikaresistenz, die sich auf die Reduzierung der Gesamtdosis sowie die Anzahl und die Tage der Antibiotikaexposition konzentrieren, sowie die Substitution von Antibiotikaklassen mit hohem Risiko durch Alternativen mit geringerem Risiko können die Inzidenz von im Krankenhaus erworbenen CDI verringern.11

Informieren Sie sich eingehend über diesen wichtigen Biomarker.

Die zunehmende Etablierung von Antibiotic-Stewardship-Programmen

Immer mehr Krankenhäuser führen Antibiotic-Stewardship-Programme  ein, um eine rationale Verschreibung von Antibiotika zu fördern, mit dem Ziel, Antibiotikaresistenzen zu verhindern. Ein Hilfsmittel, auf das sich diese Programme stützen, ist Procalcitonin (PCT), ein sensitiver, spezifischer und schneller Biomarker, der möglicherweise bereits in bestehenden Gesundheitseinrichtungen vorhanden ist.


Einsatz von Procalcitonin zur Verringerung der Antibiotikaexposition

Ob in der Notaufnahme oder stationär im Krankenhaus, PCT-Tests können Ärzten dabei helfen, eine bedarfsgerechte Antibiotikatherapie durchzuführen, um einen unsachgemäßen übermäßigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden. Das ist ein wesentlicher Bestandteil von Antibiotic-Stewardship-Programmen.


Im Folgenden finden Sie einige Möglichkeiten, wie PCT-Tests die Antibiotikaexposition verringern und die Ergebnisse verbessern können:

  • Bis zu 75 % aller Antibiotikadosen werden trotz hauptsächlich viraler Ursache bei akuten Atemwegsinfektionen verschrieben.4 Die PCT-gestützte Antibiotikabehandlung dieser Patienten ermöglicht eine Verringerung der Antibiotikaexposition ohne Beeinträchtigung des Outcomes.6
  • Bei Patienten mit Infektionen der unteren Atemwege zeigen mehrere randomisierte kontrollierte Studien, in denen die Standardbehandlung (Kontrollgruppe) mit einer Procalcitonin-gestützten Gruppe verglichen wurde, eine Verringerung der Antibiotikaexposition in der PCT-Gruppe zwischen 34,5 und 72,2 % bei Erwachsenen bzw. zwischen 26,8 und 51,0 % bei Kindern.4-6,9,10
  • Die Sicherstellung, dass septische Patienten die richtige Antibiotikabehandlung erhalten, ist für Ärzte nach wie vor eine Herausforderung. Die falsche Anwendung antimikrobieller Therapien führt zu einem erhöhten Risiko opportunistischer Infektionen, einer Resistenz gegen mehrere antimikrobielle Substanzen und toxischen Nebenwirkungen, die zu erhöhter Mortalität und auch höheren Kosten führen können. Eine PCT-gestützte Antibiotikatherapie kann dazu beitragen, den gesamten Antibiotikaeinsatz zu verringern und die Dauer der Antibiotikatherapie zu verkürzen. 11,12


Studien zeigen beispielsweise eine Verringerung der Antibiotikaexpositionsrate von bis zu 50 % in der Procalcitonin-gestützten Gruppe im Vergleich zur Gruppe mit Standardbehandlung (Kontrollgruppe).7

Die Verringerung des Antibiotikaeinsatzes hat wiederum zu einer Verbesserung der kurz- und langfristigen Überlebensraten geführt. 4,7 Kurz gesagt kann Procalcitonin dabei helfen, Leben zu retten.
Balkendiagramm mit Procalcitonin-Richtlinien für Infektionen | Übermäßiger Einsatz von Antibiotika

Anpassung der Antibiotikabehandlung mit PCT

Mit den richtigen Biomarkertests können Krankenhäuser ihre Antibiotic-Stewardship-Programme stärken und unnötige Antibiotikaexpositionen reduzieren. Procalcitonin gibt Klinikern die Information, die sie benötigen, um zu bestimmen, ob eine Antibiotikatherapie verordnet oder abgesetzt werden soll. Die PCT-Messung allein reicht jedoch nicht aus. Es ist auch notwendig zu verstehen, was die Ergebnisse bedeuten und wie PCT einen erfolgreichen Behandlungsansatz aufzeigen kann.

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Literatur
  1. Centers for Disease Control and Prevention. Adverse drug event monitoring [Internet]. Atlanta (GA). [aktualisiert am 17. Aug. 2017; zitiert am 10. Dez. 2020] Hier abrufbar.
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  3. Bouadma L, Luyt CE, Tubach F, Cracco C, Alvarez A, Schwebel C, et al. Use of procalcitonin to reduce patients' exposure to antibiotics in intensive care units (PRORATA trial): A multicentre randomised controlled trial. Lancet Infect Dis. 2010 Feb 6;375(9713):463-74.
  4. Christ-Crain M, Jaccard-Stolz D, Bingisser R, Genacay MM, Huber PR, Tamm M, et al. Effect of procalcitonin-guided treatment on antibiotic use and outcome in lower respiratory tract infections: Cluster-randomised, single-blinded intervention trial. Lancet Infect Dis. 2004 Feb 21;363(9409):600-7. 
  5. Christ-Crain M, Stolz D, Bingisser R, Müller CH, Miedinger D, Huber PR, et al. Procalcitonin guidance of antibiotic therapy in community-acquired pneumonia: A randomized trial. Am J Respir Crit Care Med. 2006 Jul 1;174(1):84-93.
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  10. Zhang, Shanshan et al. „Cost of hospital management of Clostridium difficile infection in United States-a meta-analysis and modelling study.“ BMC infectious diseases vol. 16,1 447. 25 Aug. 2016, doi:10.1186/s12879-016-1786-6
  11. Stevens V, Dumyati G, Fine LS, Fisher SG, van Wijngaarden E. Cumulative antibiotic exposures over time and the risk of Clostridium difficile infection. Clin Infect Dis. 2011 Jul 1;53(1):42-8. doi: 10.1093/cid/cir301. PMID: 21653301.
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  18. Stolz D, Christ-Crain M, Bingisser R, Leuppi J, Miedinger D, Muller C, Huber P, Muller B and Tamm M Antibiotic Treatment of Exacerbations of COPD: A Randomized, Controlled Trial Comparing Procalcitonin-Guidance With Standard Therapy Chest 2007;131 (1),Jan: 9-19. DOI: 10.1378/chest.06-1500
  19. Esposito et al., Respir Med 2011; 105: 1939-1945