Zöliakie
bei Männern
Zöliakie tritt bei Männern seltener auf als bei Frauen; das Diagnoseverhältnis liegt bei etwa 1 zu 2–2,5.1
Eine Studie mit einer niederländischen Kohorte ergab, dass Männer zum Zeitpunkt der Zöliakie-Diagnose tendenziell älter sind als Frauen. 2
In derselben niederländischen Studie wiesen Männer im Vergleich zu Frauen seltener klassische Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen, Müdigkeit und/oder Gewichtsverlust auf2, was ein Grund für Fehldiagnosen sein könnte. Die Studie ergab auch, dass Dermatitis herpetiformis bei Männern häufiger auftritt als bei Frauen.3
Männer mit Zöliakie fühlen sich häufig einer gesundheitsbezogenen Stigmatisierung ausgesetzt, insbesondere in ihrem sozialen Umfeld.4
Zöliakie und Funktionsstörung des männlichen Fortpflanzungssystems
Männer mit unbehandelter Zöliakie können Beeinträchtigungen bei der Fortpflanzung erfahren:5,6
Veränderte Spermienmorphologie und -motilität5,6
- Die durch den Verzehr von Gluten ausgelöste Entzündungsreaktion schafft ein ungünstiges Umfeld für das Gewebe des Fortpflanzungssystems.
- Anti-Spermien-Antikörper, die mit der Autoimmunreaktion bei Zöliakie und einem beeinträchtigten Ernährungsstatus in Zusammenhang stehen, können zu einer veränderten Morphologie und verringerten Motilität der Spermien führen
Funktionsstörung der Keimdrüsen5,6
- Der Darm beeinflusst den Hormonstoffwechsel
- Ein niedriger Testosteronspiegel kann zu einem Hormonungleichgewicht und dadurch wiederum zu Hypogonadismus führen
Eine glutenfreie Ernährung kann die Spermienmorphologie bei Männern mit Zöliakie nachweislich verbessern, den Hormonspiegel normalisieren und die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen.5,6
Dermatitis herpetiformis
Dermatitis herpetiformis, eine kutane Manifestation der Zöliakie, tritt bei Männern fast doppelt so häufig auf wie bei Frauen.3 Sie zeigt sich als stark juckender Ausschlag mit Blasenbildung und lässt sich mit einer strikt glutenfreien Ernährung behandeln.7
Stigmatisierung und psychische Gesundheit bei Männern mit Zöliakie
Männer mit Zöliakie sind unabhängig von Alter oder Diagnosezeitpunkt von gesundheitsbedingter Stigmatisierung betroffen. In einer Studie mit 20 erwachsenen Männern mit diagnostizierter Zöliakie im Vereinigten Königreich berichteten die Männer über soziale Ausgrenzung und Isolation aufgrund ihrer Zöliakie und glutenfreien Ernährung. Geschlechtsspezifische Annahmen können die Diagnose, die Unterstützung und die Umsetzung einer glutenfreien Ernährung bei Männern mit Zöliakie beeinflussen.4
- Galli G, Amici G et al. Sex-gender differences in adult coeliac disease at diagnosis and gluten-free-diet follow-up. Nutrients 2022;14:3192
- Tan I L, Withoff S et al. Non-classical clinical presentation at diagnosis by male celiac disease patients of older age. Eur J Intern Med 2021;83:28-33
- Antiga E, Maglie R et al. Dermatitis herpetiformis: novel perspectives. Front Immunol 2019;10:1290
- Pitt A, Lerigo F, Satherley R M. Health-related stigma and challenges faced by men living with celiac disease: a qualitative analysis. J Acad Nutr Diet 2024;124:674-685
- Freeman H J. Reproductive changes associated with celiac disease. World J Gastroenterol 2010;16:5810-5814
- Vanderhout S M, Rastegar Panah M et al. Nutrition, genetic variation and male fertility. Transl Androl Urol 2021;10:1410-1431
- Salmi T T. Dermatitis herpetiformis. Clin Exp Dermatol 2019;44:728-731