Veröffentlicht: März 2026
Fachliche Beratung:
Gary Falcetano, PA-C, AE-C
Warum eine genauere Diagnostik wichtig ist
Nussallergien gehören zu den schwerwiegendsten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien. In den USA sind sie an 33–48 % der Anaphylaxiefälle beteiligt, in Europa an etwa 16 %.1, 2 In den USA s ist die Walnuss die am häufigsten auslösende Nuss bei anaphylaktischen Reaktionen,1, 3 während in Europa die Haselnussallergie zu den häufigsten Nussallergien zählt.4 In birkenpollen-endemischen Regionen sind 17 % der Schulkinder und nahezu 7 % der Erwachsenen sensibilisiert.5
Walnuss- und Haselnussallergien treten häufig gemeinsam auf und sindzusammen mit anderen Nüssen und Erdnüssen für einen großen Teil der nahrungsmittelbedingten Anaphylaxiefälle verantwortlich.6, 7 Bei einigen Patienten mit einer Walnuss- oder Haselnussallergie fällt der Test auf eine Sensibilisierung gegenüber den Majorallergenkomponenten negativ aus, obwohl sie eine Sensibilisierung gegenüber den Allergenextrakten aufweisen.8, 9
Die Speicherproteine 7S Globuline (Viciline) sind klinisch bedeutsame Marker, die mit systemischen Reaktionen assoziiert sind. In den derzeitigen diagnostischen Allergietests stehen sie jedoch in der Regel nicht zur Verfügung. 5, 12,13 Durch die Aufnahme neuer Allergenkomponenten vom Vicilin-Typ in das Testportfolio für Walnuss und Haselnuss lassen sich diagnostische Lücken schließen und Sensibilisierungsmuster umfassender beurteilen.
Der klinische Bedarf – versteckte Sensibilisierungen erkennen
7S-Globuline (Viciline)sind sehr stabile Speicherproteine, die aufgrund ihrer Hitze- und Verdauungsresistenz mit systemischen und potenziell schwereren allergischen Reaktionen assoziiert sind. Obwohl sie klinisch relevant sind, waren Allergenkomponenten vom Vicilin-Typ in diagnostischen Tests für Walnuss und Haselnuss bisher nicht enthalten. Dadurch blieben entsprechende Sensibilisierungen bei einigen Patienten unentdeckt.9, 10
Bei manchen Betroffenen können Viciline die einzigen Speicherproteine sein, gegen die sie eine Sensibilisierung aufweisen. Ohne diese Marker können allergische Patienten negativ auf vorhandene Walnuss- und Haselnusskomponenten getestet werden, was die Diagnose und Risikobewertung erschwert. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, hervorzuheben, dass es durch die Erkennung einer Vicilin-Sensibilisierung möglich ist, eine klinisch relevante primäre Nahrungsmittelallergie von einer kreuzreaktiven, pollenassoziierten Sensibilisierung (z. B. PR-10, Profiline) unterschieden werden kann.11
Die Erweiterung des Testpanels um die Allergene Cor a 11, Cor a 16, Jug r 2 und Jug r 6 hilft dabei, verborgene Sensibilisierungen aufzudecken und primäre von kreuzreaktiven Mustern klarer zu unterscheiden. Dadurch ergibt sich ein vollständigeres molekulares Bild der Walnuss- und Haselnussallergie.10, 11
Die Evidenz – wissenschaftliche Erkenntnisse
Aktuelle Studien zeigen, dass die Erweiterung des Testportfolios um Vicilin-Allergenkomponenten die Identifizierung von klinisch relevanten Haselnuss- und Walnussallergien signifikant verbessert, insbesondere bei Patienten, bei denen die Sensibilisierung durch die bestehenden Speicherprotein-Marker nicht nachgewiesen werden konnte.
Haselnussallergie
- Cor a 11 und Cor a 16 sind mit systemischen und anaphylaktischen Reaktionen verbunden, insbesondere bei Kindern. Sie helfen dabei, eine primäre Haselnusssensibilisierung von einem Birkenpollen-assoziierten oralen Allergiesyndrom zu unterscheiden.8, 11, 12, 14
- In einer Kohorte von 106 Patienten zeigten 19 % eine ausschließliche Sensibilisierung gegenüber Cor 11 oder Cor 16, während die Tests auf andere Allergenkomponenten negativ ausfielen. Zudem wiesen 53 % der Patienten mit negativem Testergebnis für Cor a 14 eine Sensibilisierung gegen Cor a 11 und/oder Cor a 16 auf - ein Ergebnis, das die komplementäre diagnostische Rolle dieser Komponenten unterstreicht. 10, 14
Walnussallergie
- Unabhängig von einer Pollensensibilisierung sind Jug r 2 und Jug r 6 mit moderaten bis schweren Reaktionen assoziiert. 2, 13
- Jug r 6 ist ein wichtiges Vicilin, das für die IgE-Kreuzreaktivität zwischen verschiedenen Nüsse und -samen verantwortlich ist, während Jug r 2 mit bestätigten Anaphylaxiefällen in Verbindung gebracht wurde, selbst bei monosensibilisierten Patienten.13, 15, 16
- Bemerkenswert ist zudem, dass 63 % der Jug r 1–negativen Fälle eine Sensibilisierung gegenüber Jug r 2 und/oder Jug r 6 aufweisen. Dies unterstreicht den zusätzlichen Nutzen dieser neuen Allergenkomponenten bei der Identifikation von Patienten mit erhöhtem Risiko.10
Verbesserung der diagnostischen Sensitivität
In Kombination mit etablierten Speicherprotein-Komponenten (Jug r 1, Cor a 9, Cor a 14) ermöglicht die Erweiterung des Testportfolios um Cor a 11, Cor a 16, Jug r 2 und Jug r 6 eine umfassendere molekulare Abdeckung der Sensibilisierung gegen die Speicherproteine von Walnuss und Haselnuss.
Diese Erkenntnisse entsprechen internationalen Empfehlungen, die den ergänzenden Einsatz komponentenbasierter Diagnostik in Kombination mit Allergenextrakten befürworten, um klinisch relevante Allergenquellen zu identifizieren und fundierte Entscheidungen in der Patientenversorgung zu unterstützen.17
Klinische Relevanz – die Bedeutung für die Patientenversorgung
Eine erweiterte Testung mit molekularen Allergenkomponenten in Kombination mit Allergenextrakten schafft Klarheit über das individuelle Risikoprofil und ermöglicht fundierte, sichere Entscheidungen im Allergiemanagement:
- Unterstützung bei der Unterscheidung zwischen einer primären Walnuss- oder Haselnussallergie und einer pollenbedingten Kreuzreaktivität, wodurch Ärzte besser erkennen können, bei welchen Patienten das Risiko für systemische Reaktionen besteht.
- Frühzeitige Identifizierung von Risikopatienten, einschließlich solcher, die bei bestehenden Speicherprotein-Markern möglicherweise negativ getestet werden und nur gegen Viciline sensibilisiert sind.
- Entscheidungshilfe bezüglich oraler Provokationstests durch frühzeitige Klärung der Sensibilisierungsmuster, sodass unnötige Tests vermieden und die Patientensicherheit verbessert wird.
- Unterstützung gezielter Ernährungsberatung und evidenzbasierter Notfallvorsorge, einschließlich der Entscheidung, wann die Verschreibung von Adrenalin oder eine strikte Vermeidung angebracht ist.11, 12
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese neuen Allergenkomponenten vom Vicilin-Typ zu einem sichereren, personalisierten Allergiemanagement über den gesamtem Behandlungszeitraum hinweg beitragen.
Erweitertes Portfolio – präzisere Diagnostik
Thermo Fisher Scientific bietet vier neue Allergenkomponenten vom Vicilin-Typ an, die die molekulare Diagnostik für Walnüsse und Haselnüsse erheblich erweitern.
Produktbeschreibung |
Allergencode |
Artikel-Nummer |
Barcode |
ImmunoCAP Allergen f448, Allergen component Jug r 2, Walnut |
f448 |
14-6153-01 |
EU4 |
ImmunoCAP Allergen f456, Allergen component Jug r 6, Walnut |
f456 |
14-6154-01 |
EU5 |
ImmunoCAP Allergen f455, Allergen component Cor a 11, Hazelnut |
f455 |
14-6155-01 |
EU6 |
ImmunoCAP Allergen f457, Allergen component Cor a 16, Hazelnut |
f457 |
14-6156-01 |
EU7 |
Einordnung in die molekulare Allergiediagnostik
Diese Allergenkomponenten vom Vicilin-Typ fügen sich nahtlos in das etablierte molekulare Diagnostikportfolio von Thermo Fisher Scientific ein18, das mehrere klinisch relevante Proteinfamilien umfasst.
- Profiline: ImmunoCAP Profilin-Komponenten (z. B. Bet v 2, Phl p 12) unterstützen die Identifizierung einer Kreuzreaktivität zwischen Pollen und Lebensmitteln, die mit breiten Sensibilisierungsmustern und häufig milden Symptomen einhergeht.
- PR-10 Proteine: ImmunoCAP PR-10-Komponenten (z. B. Bet v 1, Mal d 1, Cor a 1) weisen auf eine Sensibilisierung gegen hitzelabile Proteine hin, die häufig mit dem oralen Allergiesyndrom assoziiert ist.
- Lipid-Transfer-Proteine (LTPs): ImmunoCAP LTP-Marker (z. B. Jug r 3, Pru p 3, Cor a 8) dienen dem Sensibilisierungsnachweis auf hitzestabile und verdauungsresitenten Allergenen, die mit einem erhöhten Risiko für systemische Reaktionen assoziiert sind.
- Speicherproteine (2S Albumin, 7SGlobulin (Vicilin), 11S Globulin): ImmunoCAP Speicherproteinkomponenten spielen eine zentrale Rolle bei der Beurteilung des Risikos klinisch relevanter Nahrungsmittelallergien, da diese stabilen Proteine in engem Zusammenhang mit persistierenden und potenziell schweren Reaktionen stehen. Insbesondere 7S Globuline (Viciline) stellen eine wichtige Familie von Speicherproteinen in Nüssen dar. Die Vicilin-Speicherproteine Cor a 11 und Cor a 16 vervollständigen die bereits verfügbaren Haselnuss-Speicherproteine, das 2S Albumin (Cor a 14) und das 11S Globulin (Cor a 9). Neben dem 2S Albumin (Jug r 1) ermöglichen Jug r 2 und Jug r 6 eine umfassende Abdeckung der Vicilin-Speicherproteine der Walnuss. Damit wird die molekulare Diagnostik für die Risikoeinschätzung bei Haselnuss- und Walnussallergien weiter verbessert.
Fazit
Die Diagnose einer Nussallergie erfordert ein hohes Maß an Präzision, Quantifizierung, Sensitivität und Spezifität. Durch die Erweiterung des Portfolios um Jug r 2, Jug r 6, Cor a 11 und Cor a 16 hat Thermo Fisher Scientific das Speicherproteinprofil für Walnuss und Haselnuss verbessert und damit relevante diagnostische Lücken geschlossen. Diese Weiterentwicklung stärkt das Vertrauen in die klinische Entscheidungsfindung und unterstützt ein zuverlässigeres und personalisierteres Allergiemanagement in Facharztpraxen und Diagnostiklaboren.